Waage als Symbol für das Zusammentreffen von Gebot und Brief mit hervorgehobenem Preis-Schnittpunkt
Preisbildung Aufbau Stufe 2

Wie entsteht ein Aktienkurs? Die Preisbildung erklärt

Ein Aktienkurs ist keine Eigenschaft, die ein Unternehmen von sich aus festlegt. Er entsteht im Handel aus dem Treffen von Angebot und Nachfrage. Wer Aktien lernen möchte, sollte dieses Prinzip früh verstehen, weil es viele Missverständnisse ausräumt: Niemand „setzt“ einen Kurs fest, und der Kurs ist auch kein Werturteil über ein Unternehmen. Diese Lektion erklärt Schritt für Schritt, wie aus Kauf- und Verkaufsaufträgen ein handelbarer Preis wird.

Woher ein Kurs kommt

Ein Aktienkurs ist der zuletzt bezahlte Preis in einem erfolgreichen Handel. Solange niemand bereit ist, zu einem bestimmten Preis zu kaufen oder zu verkaufen, gibt es keinen Kurs, sondern nur Wunschvorstellungen. Erst wenn ein Käufer und ein Verkäufer zu denselben Konditionen zustimmen, kommt ein Geschäft zustande – und genau dieser Preis wird dann als Kurs gemeldet.

Daraus folgt eine einfache, aber wichtige Erkenntnis: Der Kurs ist das Ergebnis vieler einzelner Entscheidungen. Er ist nicht festgeschrieben und er ist auch nicht für die Zukunft verbindlich. Im nächsten Augenblick kann ein anderer Preis entstehen, weil eine andere Kombination von Kauf- und Verkaufsaufträgen aufeinandertreffen.

Das Orderbuch als Herzstück

Im elektronischen Handel laufen die Aufträge in einem Orderbuch zusammen. Dort werden alle Kaufaufträge (Gebote) nach Preis und Volumen auf der einen Seite und alle Verkaufsaufträge (Briefe) auf der anderen Seite gesammelt. Die höchsten Gebote und die niedrigsten Briefe stehen oben.

Ein Handel kommt zustande, sobald sich ein neues Gebot und ein bestehender Brief (oder umgekehrt) überschneiden. Aus dieser Überschneidung entsteht der Preis. Das System sortiert laufend neu, deshalb verändern sich die obersten Preise mit jedem neuen Auftrag.

Wer Aktien lernen will, sollte das Orderbuch als ein lebendiges Buch verstehen: Jede neue Seite ist eine neue Order, und das aktuelle Gleichgewicht kann sich jederzeit verschieben.

Spread: der Abstand zwischen Gebot und Brief

Der Abstand zwischen dem besten Brief und dem besten Gebot heißt Spread. Der Spread ist ein Maß dafür, wie viel Abstand es zwischen Kauf- und Verkaufsseite gibt. Ein enger Spread deutet darauf hin, dass sehr viele Aufträge vorliegen und es leicht ist, zu einem marktnahen Preis zu handeln. Ein weiter Spread deutet darauf hin, dass es weniger Aufträge gibt und ein Geschäft unter Umständen zu einem weiter vom mittleren Preis entfernten Niveau zustande kommt.

Der Spread ist daher ein wichtiges Konzept, um die Handelbarkeit einer Aktie zu verstehen. Mehr Begriffe wie Spread, Order und Limit erklärt das kleine Glossar.

Welche Faktoren die Preisbildung beeinflussen

Hinter jeder Order steht eine Überlegung. Die Summe dieser Überlegungen bildet den Markt. Wichtige Einflussfaktoren sind:

Wichtig ist: Diese Faktoren wirken nicht vorhersehbar. Niemand kann sicher sagen, wie sich der Kurs morgen entwickelt, denn niemand weiß, welche Orders morgen ins Orderbuch fließen.

Warum der Kurs keine Wahrheit ist

Ein häufiges Missverständnis ist, der Kurs sei ein verlässliches Maß für den „wahren Wert“ eines Unternehmens. Das stimmt so nicht. Der Kurs spiegelt lediglich die gegenwärtige Balance von Angebot und Nachfrage wider, nicht mehr und nicht weniger. Er kann über längere Zeit von einem nachrichtengetriebenen Höhenflug oder von einer Panikphase geprägt sein.

Die Trennung zwischen Kurs und Wert ist ein zentrales Konzept, wenn man Aktien lernen möchte. Mehr dazu lesen Sie in der Lektion zur Unternehmensbewertung. Und weil Kurse schwanken, sind Aktien immer mit Risiko verbunden – die Lektion zu den Grundrisiken zeigt, welche Risiken das sind.

Zurück zur Übersicht